Rundwanderweg Weinberge

Der erste schriftliche Hinweis auf den Weinbau bei Liebenwerda findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1422, in der vom „wynberg daselbst bei Liebenwerde“ die Rede ist. Bezeichnet wurde damit der Weinberg des kurfürstlich-sächsischen Amtes Liebenwerda, das im Schloss ansässig war. In Steuerregistern werden der Amtsweinberg und die Weinberge Liebenwerdaer Bürger unter anderem in den Jahren 1505 und 1589 erwähnt. Den Akten nach ließ das Amt um 1500 seinen Weinberg vom Jessener Winzer bewirtschaften. 1558 wird der Amtsweinberg an Bürger der Stadt verpachtet.

Weinlese am Weinberg

In den Kirchenbüchern wird erstmals für das Jahr 1728 ein Winzer als Einwohner der Stadt erwähnt, der offenbar den Weinbau als Haupterwerb betrieb. In  den  folgenden  Jahrzehnten verlor der Anbau von Weinreben bei  Liebenwerda  jedoch  immer mehr  an  Bedeutung  und wurde zunehmend  durch  Obst –  und Gemüseanbau ersetzt. 1859 existierten noch 21 Morgen (ca. 5 Hektar) Weinberg. Die Ernte erbrachte in jenem Jahr 60 Eimer Wein. Um 1900 wurde der letzte Weinberg aufgegeben, nachdem man noch einmal 39 Liter Wein aus.

Rundwanderweg Weinberge ( Flyer herunterladen )

Sehenswertes in Weinberge

Es gibt viel interessantes zu erfahren bei der Wanderung auf dem Rundwanderweg Weinberge. Nicht einmal alle Liebenwerdaer kennen alle diese Sehenswürdigkeiten und deren geschichtliche Hintergründe. Somit lohnt es sich allemal, z.B. bei einem Sonntagsspaziergang, mehr über die Geschichte Bad Liebenwerdas zu erfahren.

Der Kurpark

Kurpark mit Kneipp-Brunnen

Zwischen der Innenstadt von Bad Liebenwerda und dem Stadtteil Weinberge erstreckt sich entlang der Schwarzen Elster und der Dresdener Straße der Kurpark. Gegenüber dem Bahnhof befindet sich der Garten der Sinne.

Das Wäldchen wurde der Stadt 1830 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. geschenkt, dem aus diesem Grund 1882 ein Denkmal im Zentrum des Parks gewidmet wurde.

Wonnemar und Elsterwehr

Auf ehemaliger Dobraer Flur wurde von 2003 bis 2004 die Lausitztherme Wonnemar errichtet. In der Lausitztherme können täglich hunderte Besucher aus nah und fern zwischen den Bereichen Erlebnis- und Sportbad, Mineralforum, Sauna, Fitness und SPA Bereich wählen.

Nicht weit von der Therme entfernt, zirka 50 m stromaufwärts, befindet sich eine 2005 fertig gestellte Stauanlage, die von Fußgängern und Radfahrern überquert werden kann und über Bootsanlegestellen verfügt.

Gedenktafel Hohenzollernzeche

Die als „Ofenbude“ bekannte ehemalige Hohenzollernzeche war eines der markanten Gebäude des Stadtteils Weinberge.

Nur für kurze Zeit, von 1890 bis 1900, wurde in der Hohenzollernzeche Kohle zu Briketts gepresst, danach sind Ofenkacheln produziert worden.

Später, in den den 1980er Jahren wurden Keramik und Sonderanfertigungen hergestellt.

Gedenktafel Hohenzollernzeche

Weinbergstraße

Die Weinbergstraße ist der Kern der ehemaligen Gemeinde Weinberge. Ein Gedenkstein erinnert an die Selbstständigkeit in der Zeit von 1805 bis 1939.

Zunächst standen nahe dieser Stelle die Weinberghäuser Liebenwerdaer Bürger, die hier Wein- und später Obstbau betrieben. Spätestens Ende des 18. Jahrhunderts begann sich daraus eine eigenständige Siedlung zu entwickeln. Hinter den Gebäuden sind am Hang des alten Weinbergs noch schwach die Terrassen zu erkennen, auf denen Weinstöcke standen und später Obstbäume wuchsen.

Gedenktafel Gemeinde Weinberge 1805-1939

Straßenwärterhaus

In der preußischen Provinz Sachsen begann man 1827 mit dem Bau der Chausseen, die die alten sächsischen Poststraßen ersetzten und bessere Verbindungen zwischen den Städten herstellten. In dieser Zeit entstand auch die Chaussee zwischen Elsterwerda und Lieben-werda, die dem Verlauf der heutigen B 101 entspricht. Am Straßenwärterhaus erhob man Gebühren für die Benutzung der Straße. Das Jahr seiner Errichtung ist unbekannt. An der Einmündung der Bergstraße erinnert noch heute ein Entfernungsstein an den preußischen Postverkehr in der damaligen Zeit.

Entfernungsstein

Bergfriedhof

Auf dem Friedhof in der Oberreihe existiert mit dem Kriegerdenkmal, das an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Neudobra und Weinberge erinnert, noch einer der wenigen  sichtbaren Hinweise auf die Geschichte des Stadtteils als eigenständige Gemeinde.

Auf dem Bergfriedhof befindet sich darüber hinaus das Grab von Dr. Bludau, einem Assistenten des Forschers Robert Koch. Im hinteren Bereich des Friedhofs erinnern zwei Gedenksteine an verstorbene Zwangsarbeiter und Häftlinge.

Zeppelindenkmal

1914 landete unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf der damals „Neu-mexiko“ genannten Feldbrache in der Nähe der Holzenhufen das Luftschiff „Sachsen“. Zum Andenken an dieses Ereignis wurde im Jahr 1999 im Auftrag des Heimatvereins eine Sandsteinsäule errichtet, die ein älteres verwittertes Denkmal ersetzte.

Franzosenberg

Auf der früher ebenfalls als Weinberg genutzten Erhebung nördlich der Weinbergstraße befindet sich ein Grabhügel, unter dem 105 Soldaten der napoleonischen Armee begraben liegen. Nach dem erfolglosen Russlandfeldzug waren im Jahr 1813 Verwundete der kaiserlichen Armee ins Liebenwerdaer Schloss gebracht worden, das als Lazarett diente.

Grabhügel für Soldaten der napoleonischen Armee

Viele der französischen Soldaten starben und wurden außerhalb der Stadt in einem Massengrab bestattet. Der inzwischen neu gestaltete Hügel wird von den Einheimischen „Franzosenberg“ genannt. Ein Gedenkstein erinnert an die damaligen Ereignisse.

Waldstadion

Das Waldstadion am Hang des Sandberges gibt es seit 1925 und ist eine der, am schönsten gelegenen, Sportanlagen über den Landkreis hinaus. Viele Generationen haben hier bei Sport und Spiel Erholung gefunden.

Waldstadion Bad Liebenwerda

Findling am Sandberg

Hier befand sich von 1909 bis 2006 das Wasserwerk, welches Bad Liebenwerda mit Trinkwasser versorgte. Der Wasserturm auf der Anhöhe wurde 1988 gesprengt. Im Mittelalter stand auf der nördlichen Erhebung eine Richtstätte. An der Einmündung zur Kastanienallee befindet sich ein Gedenkstein für einen 1943 ermordeten polnischen Zwangsarbeiter.

Bahnhof

Nachdem der westliche Teil des Kreises Liebenwerda bereits 1848 durch Inbetriebnahme der Strecke Dresden – Riesa – Jüterbog für den Eisenbahnverkehr erschlossen worden war, erhielt die damalige Kreisstadt im Jahre 1874 Bahnanschluss. Am 1. Juni  jenes Jahres nahm die Oberlausitzer Eisenbahn auf der Strecke Wittenberg – Falkenberg – Liebenwerda – Elsterwerda – Kohlfurt den Betrieb auf. Ungeachtet der Tatsache, dass sich der Bahnhof damals noch auf Dobraer Flur befand, verhalf der Anschluss an das Bahnnetz den sich entwickelnden Industrieunternehmen Liebenwerdas zu wichtigen Impulsen.

Der Bahnhof Bad Liebenwerda

Auf der Übersichtskarte sehen Sie den Gesamtverlauf des Rundwanderweges.

Übersichtskarte Rundwanderweg

Die Geschichte Weinberges und Neudobras

Kern der Siedlung Weinberge ist das Gebiet der heutigen Weinbergstraße. Auf einer Karte aus dem Jahre 1755 sind dort Weinberghäuser verzeichnet, in denen man Weinpressen und andere Gerätschaften verwahrte. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich aus den Weinberghäusern vermutlich durch Zuzug aus der Stadt eine selbstständige Gemeinde. Darüber hinaus berichtet Carl von Lichtenberg in seiner „Chronik der Stadt Liebenwerda“ von 1837 davon, dass auf Dobraer Flur um die Gemeinde Weinberge herum weitere Ansiedlungen erfolgten. Diese Siedlung wird später als „Neudobra“ bezeichnet.

Während das Weinberger Gemeindesiegel neben einer Weintraube die Zahl 1805 zeigt und damit auf ein mögliches Gründungsdatum der Ortschaft hinweist, ist bereits 1802 vom Weinberger Ortsrichter Gottlob Hoigck die Rede. Exakte Daten über die offizielle Anerkennung Weinberges als selbstständige Gemeinde sind nicht bekannt.

Die territorial eng miteinander verbundenen Siedlungen Weinberge und Neudobra bleiben vorerst rechtlich getrennte Gebietskörperschaften. Im Jahr 1882 beschließen jedoch 13 formalrechtlich zur Gemeinde Dobra gehörende und als „Neuhäusler der Dobraer Gemeinde“ bezeichnete Neudobraer, dem Gemeinde-verband Weinberge  beizutreten.

Ende des 19. Jahrhunderts siedelt sich, aufgrund der Nähe zum Bahnhof, Industrie in Neudobra an. Neben der „Schamottefabrik Tietze und Schneider“, die aus der ehemaligen Brikettfabrik „Hohenzollernzeche“ hervorging, existieren die Unternehmen „Glastechnisches Werk Robert Schicketanz“, „Liebenwerdaer Zeichen- und Messgeräte Gebrüder Schneider“ und „Feinmechanische Werkstatt Schulze und Herbig“.

In der heutigen Dresdener Straße entstanden Villen, die von Beamten, Ruhestandsbeamten und Gewerbetreibenden bewohnt wurden. Die Identifikation mit der nahen Stadt ist groß, was vermutlich durch den Zuzug von Liebenwerdaern nach Neudobra und Weinberge bedingt ist. Mehrere Versuche, den Vorort nach Liebenwerda einzugemeinden, scheiterten jedoch am Widerstand Dobraer Bürger, die hier über Grundbesitz verfügen.

Erst am 1. April 1939 endet die Geschichte Weinberges als selbstständige Gemeinde. Gemeinsam mit Neudobra wird die Siedlung Teil der Stadt Bad Liebenwerda, die auf diese Weise rund 1000 Einwohner hinzugewinnt.

Der Stadtteil Weinberge heute

Als Bezeichnung für den östlichen Teil der Stadt lebt die ehemalige Gemeinde Weinberge noch heute im Sprachgebrauch der Bad Liebenwerdaer Einwohner fort. Die frühere Bezeichnung Weinberge-Neudobra ist dagegen nahezu vollständig verschwunden. Weinberge wird von rund 850 Menschen bewohnt. Neben seiner Funktion als Wohngegend verfügt der Stadtteil über eine Reihe von Handwerks- und Gewerbebetrieben sowie Handels- und Versorgungseinrichtungen.

Heimatverein Weinberge Bad Liebenwerda e.V.
Heimatverein Weinberge Bad Liebenwerda e.V.

Trotz seiner engen Verschmelzung mit der Stadt haben sich die Einwohner des ehemaligen Vorortes ein gutes Stück eigener Identität bewahrt. Das Andenken an die ehemals selbstständige Gemeinde wird durch den „Heimatverein Weinberge Bad Liebenwerda e.V.“ aufrechterhalten, in dem sich rund 55 Bewohner des Stadtteils organisiert haben. Neben der Pflege des Gemeinsinns widmet sich der Heimatverein auch der spezifischen Geschichte und Tradition Weinberges und bemüht sich, den Stadtteil mit all seinen Stärken in die Entwicklung Bad Liebenwerdas als Kur- und Tourismuszentrum einzubringen. Der Stadtteil hat sich zum attraktiven Wohngebiet weiterentwickelt.

Herausgegeben vom Heimatverein Weinberge Bad Liebenwerda e.V.