Das Hirtenmädchen Barbara

 
Die BarbaraEs sind nicht nur die großen Denkmale, die den Betrachter begeistern, sondern vielfach die kleinen Kunstschätze und Kostbarkeiten, die zum Denken anregen.

Von diesen haben auch wir einige in unserer Stadt sowie in unseren Ortsteilen zu bieten. Im Marktbrunnen, der übrigens seit 1911 steht, hat unter seinem Dach das Hirtenmädchen Barbara Unterkunft gefunden und das schon seit 1956.

Sie ist von der Bildhauerin Dorothea von Philipsborn geschaffen worden. Das in Bronze gegossenen Mädchen, schaut mit einem etwas verträumten Blick auf das Wasser, das aus den beiden Fischen in das Brunnenbecken rinnt.

Die symmetrische Darstellung der beiden Fische in ihren Händen gleicht fast einer Waage. Ihrer Haltung ist zu entnehmen, dass die Barbara nach vorn schreitend zum Ausdruck bringt, als wollte sie der Stadt vorangehen. Immer ist davon gesprochen worden, dass das Hirtenmädchen im Dreißigjährigen Krieg im alten slawischen Fischerdorf Pestkranke gepflegt hätte. Eine in sich abgeschlossene Sage um das Hirtenmädchen ist bisher nicht bekannt, daher soll eine bereits erschienene Sage nochmals vorgestellt werden, die sich auf das Mädchen Barbara Stirblinger, der Tochter des Stadthirten, bezieht.

 

  Das Hirtenmädchen der Stadt
  von 2004 - 2013

  2004
Franziska
Blaas
2005
Linda
Berthold
2006
Silvia
Ellert
2007
Josefin
Keil
2008/2009
Nadine
Rauchbach
  Franziska Blaas Linda Berthold Silvia Ellert Josefin Keil Nadine Rauchbach
  2009-2011
Maria Diener
2011-2013
Elisabeth Assel
2013-2015
Barbara Clara Schaeuble
2015-2017
Barbara Clara Schaeuble
 
  Marie Diener Elisabeth Assel Barbara Clara Schaeuble Barbara Clara Schaeuble  
           

 

Das heilsame Elsterwasser (Sage)

Im alten slawischen Fischerdorf Stadtwinkel an der Schwarzen Elster lebte am Dorfrande das Hirtenmädchen Barbara mit ihren Eltern in bescheidenen, fast ärmlichen Verhältnissen. Der Dreißigjährige Krieg hatte auch viel Leid gebracht und täglich verfielen immer wieder Bewohner der um sich greifenden Pestilenz.

Der Barbara-BrunnenDie leer stehenden mit Stroh gedeckten Hütten verkündeten, dass der schwarze Tod die Hausbewohner geholt hatte. Das Hirtenmädchen fürchtete sich und war verzweifelt über das grausame Geschehen im kleinen Dorf. Eines Abends verließ sie, im hellen Schein des aufgehenden Mondes, ihre Hütte und ging in Richtung Elster.

Dabei schritt sie auf den Erlenbusch zu, um dort eine kurze Zeit zu verweilen. Sie kniete nieder und rief den Wendengott Lupa an, dass er das Leid der Menschen an der Schwarzen Elster doch beenden möge. Sie glaube an die Kraft der Gunst der Götter ihres Volkes, weil ihre Großmutter viel von diesen Göttern erzählt hat. Sie erhob sich, verbeugte sich nochmals vor den grünen Zweigen des Erlenbusches und vernahm von der Elster ein rauschen, das bis zum Busch anschwoll und plötzlich trat eine große Stille ein.

Eine fast flüsternde Stimme schien sie zu vernehmen, die da zu ihr sprach: „Barbara, lege deine Schuhe ab, gehe erhobenen Hauptes den Pfad zur Elster, den ich dir zeigen werde. Dann schreite gerade aus zu einer Furt des Flusses bis an das gegenüberliegende Ufer. So ich dich führe, musst du gehen, weiche nicht vom Wege ab. Dann kehre um und schreite bis zur Mitte des Flusses zurück. Breite deine Hände nach beiden Seiten aus und tauche sie ins Wasser, so tief du kannst. Du wirst je einen Fisch in den Händen halten.

Nun trete ans Ufer und töte sie mit einem Stein, den du dort wirst finden. Eile schnell nach Hause und brate beide Fische, dann geh zurück zur Elster, schöpfe mit einem Krug vom Elsterwasser. Auf dem Heimweg musst Du den Erlenbusch betreten. Knie nieder und halte beide Hände über diesen Krug. Das so geweihte Wasser wird nun Heilkraft besitzen. Erst nach Sonnenaufgang gehe zu den von der Pest befallenen Kranken und reiche ihnen Speise von den Fischen sowie Wasser aus dem geweihten Krug. Das wiederhole Nacht für Nacht und Tag für Tag.“ Barbara tat, was ihr gesagt war. Niemals sprach sie davon. Bereits nach wenigen Tagen standen die ersten Bewohner wieder auf und erholten sich in kurzer Zeit. Alle ahnten, das etwas geschehen war in den vergangenen Tagen, wovon jedoch keiner zu sprechen wagte. Der Gott der Wenden hatte Barbara die Kraft gegeben, die Pest zu vertreiben.

Bis zur Stadt war das Wunder bekannt geworden. Der evangelische Pfarrer Gilbert machte sich auf, um das wundersame Geheimnis zu enträtseln. Beim Betreten des kleinen Dorfes konnte er jedoch keine außergewöhnlichen Dinge feststellen und aus dem Gespräch mit dem Hirtenmädchen ging hervor, dass sie es mit Heilkräutern versucht habe, das Leid zu lindern und in einigen Fällen einen Heilungsprozess erzielen konnte. Nichts sei daran wahr, was da von einem geheimnisvollen Gott erzählt werde. Sie bewahrte alle Ereignisse in ihrem Herzen, aber sie glaubte an diesem sagenumwobenen Erlenbusch als den heiligen Hein der Wenden aus längst vergangenen Zeiten. Sie glaubte an diesen überlieferten Bräuchen ihrer Vorfahren und an den Wendengott Lupa ...

Auch fortan blieb sie dem Glauben treu bis an ihr Lebensende. Das kleine Denkmal auf dem Marktplatz sagt dem Beschauer, da sei ein Hirtenmädchen hier gewesen, das vor den Toren dieser Stadt gelebt hat. Nichts wird gesagt, welche Vorfahren sie gehabt und welchem Glauben sie hat angehangen. Nie hat sie die Gunst der Götter preisgegeben.

Walter Hartwig (1997 verstorben)

 
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